Ein Mann im Anzug und eine Frau im Mantel stehen in einem Baumarkt vor Regalen mit Fliesenmustern.
Geschäftsführer Massimo La Mela und Alleingesellschafterin Ulrike Brandes-Peitmann vor Fliesenmustern in den Ausstellungsräumen von Baustoff Brandes.
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Interview

 „Offenheit für Neues prägt die Geschichte von Baustoff Brandes“

Der Peiner Familienbetrieb Baustoff Brandes vereint Tradition und Innovation: Seit 125 Jahren erfindet sich das Unternehmen immer wieder neu. Im Interview mit Peine.NextLevel sprechen Ulrike Brandes-Peitmann, Alleingesellschafterin von Baustoff Brandes, und Geschäftsführer Massimo La Mela über Herausforderungen und Chancen des Wandels, den Standort Peine als Herz des Unternehmens und was Baustoffe mit der Modelwelt gemeinsam haben. 

Peine.NextLevel: 2024 feierte Baustoff Brandes 125-jähriges Bestehen – was ist das Erfolgsrezept des Unternehmens? 

La Mela: Baustoff Brandes hat sich immer wieder neu erfunden und baulich wie unternehmerisch innovativ gezeigt. Entscheidend ist, früh auf Marktveränderungen zu reagieren. Ob der Anschluss an die Kooperation Eurobaustoff, die sich als wichtige Stütze für uns als Mittelständler erwiesen hat, oder die stetige Modernisierung unserer Ausstellung in der Peiner Niederlassung – die Offenheit für Neues und die damit gesammelten Erfahrungen prägen unsere Geschichte bis heute. 

Welche Bedeutung hat der Standort Peine für ihr Unternehmen?

Brandes-Peitmann: In Peine liegen die Wurzeln des Unternehmens, genauer gesagt in der Hopfenstraße. Dort begann 1899 die Herstellung von Zementdachplatten, 1914 kam der Baustoffhandel hinzu, 1979 eröffnete das Baustoffzentrum auf unserem 30.000 Quadratmeter großen Firmengelände direkt an der A2, das seitdem mehrfach modernisiert wurde. Wir haben uns immer wieder an die Zeit angepasst und früh auf Ausstellungen sowie ein umfangreiches Warensortiment gesetzt. 

La Mela: Peine ist das Herz unseres Unternehmens. Wir versammeln hier zentrale Bereiche wie die zentrale Buchhaltung und die Hauptstelle für zentrale Logistik – und Peine ist zugleich unser umsatzstärkster Standort. Für eine Stadt dieser Größe ist das bemerkenswert. Hier entstehen viele unserer Innovationen, hier treffen sich regelmäßig unsere Niederlassungsleiter, um Strategien für die Zukunft zu entwickeln.

Modernes Geschäftsgebäude mit rotem Eingangsbereich und Schriftzug „Baustoff Brandes“, umgeben von bepflanzten Beeten und gepflastertem Vorplatz. Im direkt an der A2 gelegenen Firmengelände von Baustoff Brandes in Peine sind Ausstellung und Verwaltung angesiedelt.

Baustoff Brandes zählt heute neun Standorte – gibt es schon Planungen für weitere Niederlassungen?

La Mela: Wir verfolgen zwar eine Wachstumsstrategie, aber nicht um jeden Preis. Als Mittelständler beobachten wir den Markt genau und nutzen Chancen, wenn sie sich ergeben. Unser Fokus liegt weniger auf neuen Standorten als auf innovativen Ideen und einer nachhaltigen Weiterentwicklung unserer Wertschöpfungskette.

Welche Beispiele für Innovationen in der Vergangenheit gibt es? 

La Mela: Ein wichtiger Innovationsschritt war die Entwicklung unserer eigenen Baustoff-Brandes-App, mit der Kunden unter anderem ihre Baustellen organisieren, Bestellungen auslösen und Lieferungen verfolgen können – übrigens entwickelt mit einem regionalen Partner. Außerdem setzen wir auf exklusive Kooperationen mit Industrieunternehmen und haben unseren Service und unsere Logistik konsequent ausgebaut. Heute gelten wir in der Region als Logistikführer. Ein wichtiger Schritt war auch die Einführung unserer neuen Warenwirtschaft. Mein Kollege, Geschäftsführer Carsten Zoll, hat sich dabei mit seiner langjährigen Erfahrung in Prozessoptimierung und IT eingebracht. Wir konnten unsere Abläufe noch einmal deutlich verbessern.

Welche Bedeutung hat der Lieferservice für Ihre Kunden?

La Mela: Der Lieferservice spielt für unsere Kunden eine zentrale Rolle. Etwa 80 Prozent unseres Umsatzes werden durch Unternehmen erzielt, für die pünktliche und zuverlässige Baustellenbelieferung entscheidend ist. Unsere Fahrzeuge mit Kränen von bis zu 32 Metern können Materialien direkt in höhere Etagen anliefern.
 

Was macht das Unternehmen besonders im Wettbewerb mit Baustoff-Fachhandel und Baumärkten? 

La Mela: Unser Vorteil ist die Kombination aus Fachberatung über unser Expertennetzwerk und Kundennähe. Viele Bauunternehmer empfehlen ihren Privatkunden, für die sie bauen, uns zur Bemusterung zu besuchen. Wir setzen bewusst auf Haptik, weil Qualität sich am besten durch Anfassen vermitteln lässt. Deshalb modernisieren wir unsere Ausstellung fortwährend. 

Gleichwohl spielen digitale Beratungstools wie der Online-Raumplaner für Ihre Kundschaft eine immer wichtigere Rolle. 

La Mela: Digitale Tools wie unser Online-Raumplaner helfen, eine Vorstellung zu bekommen, wie Baustoffe später im Raum wirken. Unsere Kunden können sogar eigene Fotos von ihren Räumen hochladen und mit der gewünschten Fliese visualisieren. Die endgültige Entscheidung fällt aber immer hier vor Ort in unseren 3D-Studios, wo wir gemeinsam mit den Kunden ihre Badplanung realitätsnah umsetzen.

Brandes-Peitmann: Ein Service, der sehr gut angenommen wird. Ich habe das selbst schon ausprobiert. 

Wie stark bestimmen Trends den Baustoffhandel?

La Mela: Wir investieren fast jährlich in Umbauten unserer Ausstellung. Unsere Mitarbeiter besuchen jedes Jahr die weltweit größte Fachmesse für Fliesen in Bologna, die „Cersaie“, und nehmen neue Trends mit. 

Brandes-Peitmann: Die Vorliebe für Farben Muster wandelt sich schnell. Das kann man mit der Modewelt vergleichen. 

La Mela: Auch geht der Trend hin zu größeren Fliesenformaten, bis zu 1,40 Meter mal 3,20 Meter. Diese werden gerne im Duschbereich verwendet.
 

Eine Frau und ein Mann stehen an einem Tressen mit Mustern und Katalogen, die ein Mann auf der anderen Seite des Tresens präsentiert. Im Hintergrund Regale und Arbeitslätze mit Computern. Bemusterung in den Ausstellungsräumen von Baustoff Brandes.

Wo liegen die größten Herausforderungen für Ihre Branche?

La Mela: Unsere größten Herausforderungen liegen in den politischen Rahmenbedingungen. Die Investitionsbereitschaft ist derzeit gering, sowohl bei Unternehmen als auch bei Privatleuten. Im Wohnungsbau fehlen Impulse, obwohl der Bedarf groß ist.

Brandes-Peitmann: Die Zurückhaltung im Bau ist insbesondere bei Einfamilienhäusern spürbar.

La Mela: Hinzu kommt der Fachkräftemangel. Wir bilden gut aus, aber die Personalgewinnung wird immer schwieriger. Wir prüfen, wie die KI und sinnvoll unterstützen kann, ersetzen kann sie die Fachkräfte nicht.

Wie setzen sie KI konkret für ihr Unternehmen ein?

La Mela: Wir beschäftigen uns vor allem im Hinblick auf die Bearbeitung von Ausschreibungen im Projektgeschäft mit KI. Ziel ist es, die Prozesse im Sinne unserer Kunden zu beschleunigen – damit diese unsere Angebote deutlich schneller vorliegen haben. Aktuell starten wir in Peine eine Testphase mit einem Partner. Wenn sich das bewährt, können wir künftig 30 bis 40 Prozent Zeit einsparen und unseren Service weiter verbessern.

Frau Brandes-Peitmann, sie haben den Familienbetrieb Baustoff Brandes über Jahrzehnte geprägt und auf Expansionskurs geführt, waren über viele Jahre als IHK-Vizepräsidentin aktiv, Beiratsvorsitzende des Eurobaustoff-Zentrallagers in Sittensen – haben Sie ein paar Tipps für Nachwuchs-Unternehmer?

Brandes-Peitmann: Nicht stehenbleiben und flexibel denken, immer wieder Anregungen aus anderen Branchen holen. 

La Mela: Wir sind ein Familienunternehmen, was ich in jedem Gespräch mit unseren Kunden betone. Frau Brandes-Peitmann hat hier immer noch ein Büro, ist fast jeden Tag da und lebt die Nähe zu Mitarbeitern. 

Brandes-Peitmann: Das Wichtigste aber ist Teamarbeit und Kommunikation. Ich wusste meine Mitarbeiter bei Neuerungen immer hinter mir, beispielsweise bei der Einführung der EDV. Das war nicht immer leicht, hat aber immer auch viel Spaß gemacht. Ich bin für das Unternehmen und für den Standort Peine eingestanden und tue das auch heute noch. 

Zahlen und Fakten zu Baustoff Brandes:

9 Standorte in Aschersleben, Blankenburg, Braunschweig, Burgdorf, Hannover, Hildesheim, Magdeburg, Peine und Teltow mit insgesamt 245 Mitarbeitern, davon 23 Auszubildende. Zum Fuhrpark gehören 30 Lkw, darunter mit Kran, Mitnahmestapler und Hochkran. Das Sortiment umfasst Garten und Terrasse, Tiefbau und Entwässerung, Parkett und Laminat, Vinyl, Fliesen, Rohbau, Türen, Tore und Fenster, Fassade, Sanitär, Dach und Dämmsysteme, Werkzeuge und Maschinen, Arbeitskleidung.
 

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