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Erfolgsstorys -
Peine.NextLevel
Interview
Hotel Schönau in Peine verbindet digitale Zukunft mit Gastfreundschaft
Digitaler Check-in, automatisierte Bestellungen und neue Erwartungen der Gäste: Die Hotellerie befindet sich im Wandel. Auch das traditionsreiche Hotel Schönau in Peine-Stederdorf stellt sich auf die Zukunft ein. Geschäftsführer Torben Hacke setzt auf moderne Technologien für effizientere Abläufe. Gleichzeitig ist der Peiner überzeugt, dass persönliche Gastfreundschaft ein entscheidender Erfolgsfaktor bleibt. Wie sich das Hotelgewerbe in den kommenden Jahren verändern wird und welche Chancen sich daraus für den Tourismusstandort Peine ergeben, erklärt der Hotelier im Interview mit Peine.NextLevel.
Peine.NextLevel: Herr Hacke: Wie sieht für Sie das Hotel der Zukunft aus – und was wird sich in den kommenden fünf bis zehn Jahren grundlegend verändern?
Torben Hacke: Das Hotel der Zukunft ist hoffentlich voll mit Gästen. Ein stark verwurzeltes Unternehmen wie unseres muss sich treu bleiben und darf sich gleichzeitig der neuen Zeit nicht verschließen. Im ersten Quartal 2027 werden wir den digitalen Check-in und Check-out an einer separaten Rezeption einführen. Ein Automat wirft dann den Zimmerkartenschlüssel aus. Nicht damit der Mitarbeiter abgeschafft wird, sondern um ihn zu entlasten. Wir sind ein Business-lastiges Hotel. Das heißt, unter der Woche wollen morgens viele Gäste gleichzeitig auschecken, weil sie noch arbeiten müssen. Es geht um einen höheren Effizienz-Level. Das gilt auch für elektronische Bestellungen, an denen wir ebenfalls arbeiten. Einerseits will man ungestört Abend verleben und zum anderen unkompliziert bestellen. Die Gäste sollen künftig die Möglichkeit haben, mit dem Smartphone Getränke nachzuordern. Ohne Installation einer App, nur durch Scannen eines QR-Codes. Der Bon kommt bei den Mitarbeitenden raus, die bringen die Bestellung. Die Technik als Hilfe und nicht als Ersatz.
Digitaler Check-in, automatisierte Abläufe, KI in Buchung und Kommunikation: Wo kann Technologie den Hotelalltag sinnvoll erleichtern – und wo ist der persönliche Kontakt zum Gast unersetzlich?
Immer wenn der Gast eine wiederkehrende Aufgabe erfüllen muss, die auf der Spaßfaktor-Skala nicht an oberster Stelle steht– bei der Buchung, beim Check-in und beim Check-out – da kann die Technik helfen. Wenn aber Probleme auftauchen oder der Austausch auf einer tiefen persönlichen Ebene gefragt ist, beispielsweise für eine Hochzeitsfeier, wird der Mensch ein großer Faktor bleiben und wahrscheinlich eine noch größere Bedeutung erlangen, da der Mensch in anderen Bereichen in den Hintergrund tritt. Die Gäste schätzen es, wenn wir uns eine Stunde Zeit für die Besichtigung der Räumlichkeiten nehmen. In den Sommermonaten positionieren wir uns als Hochzeits- und Veranstaltungslocation. Und die Hochzeit ist die wahrscheinlich größte und detailreichste Feier, die man in seinem Leben ausrichten darf. Da sind die Gäste sehr froh, wenn sie dann einen Menschen haben, der sie betreut. Trotzdem erwarten sie, sich vorab auf einer klar gegliederten Homepage informieren zu können. Entscheidend ist die Kombination aus beiden Welten.
Umgang im Hotelgewerbe hat sich verändert
Wie haben sich die Erwartungen Ihrer Gäste verändert? Was wird heute vorausgesetzt, das vor einigen Jahren noch keine große Rolle gespielt hat – und welche neuen Reisetrends beobachten Sie?
Die Leute buchen teilweise immer kurzfristiger. Und sie sind technikaffiner geworden, was übrigens auch für die ältere Generation gilt. Was früher Luxus war, ist heute das Minimum. Ich bin seit 2007 im Haus. Schon damals, als viele andere Unternehmen noch Geld dafür genommen haben, waren wir überzeugt, dass kostenfreies WLAN Standard sein sollte. Das sind Dinge, die setzt der Gast voraus, genauso wie Ordnung, Sauberkeit und ein zeitgemäßes Ambiente. Wichtig ist, dass man immer wieder in den Bestand investiert und nicht nur von Historie lebt. Wir sind 111 Jahre am Markt, scheuen uns aber auch nicht, alte Zöpfe abzuschneiden. Das Thema Geschäftsessen zum Beispiel. Früher wurden am Mittagstisch Verträge ausgehandelt. Heute ist der Arbeitsalltag viel zu verdichtet, um das noch anzubieten. Wichtig ist, dass wir heute gut am Markt positioniert und auf die Wünsche der Gäste eingestellt sind. Beispielsweise Ernährungstrends, es gibt mehr vegane und vegetarische Gerichte auf der Karte als früher.
Der Fachkräftemangel trifft Hotellerie und Gastronomie besonders stark. Wie verändert das die Arbeitswelt im Hotel – und was müssen Arbeitgeber heute bieten, um Mitarbeitende zu gewinnen und langfristig zu halten?
Wichtig ist heute mehr Verlässlichkeit in den Dienstplänen, auch wenn mal wenn jemand krank wird, und möglichst zwei freie Tage in der Woche am Stück. Der Umgang hat sich sehr verändert. Früher war das sehr hierarchisch und dominant, heute hat sich das liberalisiert. Wir machen natürlich keinen Stuhlkreis, wer das nächste Essen rausbringt. Mitarbeitende brauchen einen klaren Kompass. Aber die Zeiten, als in der Küche herumgebrüllt wurde, sind vorbei. Wir hoffen, dass wir weiterhin Menschen finden, die für die Branche Feuer fangen. Die Spaß daran haben, Menschen zu begeistern und dafür Bestätigung erhalten. Wir haben viele Schüler, die als Minijobber Spitzen im Personalbedarf abdecken. Von denen wissen wir genau, dass die in vier oder fünf Jahren nicht mehr bei uns sind. Aber in den letzten Jahren sind allein durch Mund-zu-Mund-Propaganda immer wieder neue Kräfte nachgerückt. Weil das einfach ein cooler Weg ist, Geld zu verdienen. Ein Erfolgsfaktor der Branche ist, dass man kein abgeschlossenes Technikstudium braucht, sondern Menschenkenntnis. Wenn man offen ist für Begegnungen, hat man auch Spaß.
Stärken des Tourismusstandorts Peine weiterentwickeln
Wenn Sie das Hotel Schönau und den Tourismusstandort Peine für das Jahr 2035 neu denken könnten: Was würden Sie verändern – und was sollte ganz bewusst genauso bleiben wie heute?
Neue touristische Highlights. Das kann auch eine behutsame Weiterentwicklung unserer Stärken sein. Wir müssen unser Angebot in der Nische zwischen Oberzentren wie Hannover, Hildesheim und Braunschweig diversifizieren. Da muss man erfinderisch sein, beispielsweise was den Umgang mit Leerständen in der Innenstadt anbelangt. Das Jahr 2035 ist ja schon fast um die Ecke. Ich hoffe, dass wir bis dahin unseren Anbau für zusätzliche Zimmer verwirklicht haben. Dass wir effizienter werden, aber auch unsere Gastfreundschaft und Verwurzelung beibehalten. Nicht angestaubt, sondern immer in die Zukunft blickend.
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